Im Gedenken

Trauerfeier für Ilse (1933-2014) und Gerhard Österreich (1931-2014)

Urnenbeisetzung am Donnerstag, den 21.08.2014 auf dem Gütersloher Stadtfriedhof,

Gestorben sind beide am 27.07.2014

Beitrag: Prof. Dr. iur. Wolfgang Karnowsky, Dortmund vom Rönn-Vorstand

Gestatten Sie mir einige Streiflichter des Gedenkens vorzutragen und zwar seitens der Hans-Rönn-Stiftung – Menschen für Tiere, Düsseldorf vom Vorstand und als Mitarbeiter im Politischen Arbeitskreis Tierrechte in Europa e. V., früher Düssel-dorf, jetzt mit Sitz in Hamburg.
Ich beginne mit der Rönn-Stiftung.

Gerhard Österreichs Leistungen wurden durch die Hans-Rönn-Stiftung – Menschen für Tiere im Jahre 2005 – glücklicherweise noch zu seinen Lebzeiten – in einer substantiellen Feierstunde in Düsseldorf gewürdigt. Einiges dazu kann auf der Rönn-Homepage nachgelesen werden.
Wichtig ist heute der Text in der Verleihungsurkunde. Gerhard Österreich bekam den namhaften, ehrenvollen Rönn-Preis:

„Für die jahrzehntelangen Verdienste bei der vielfältigen Umsetzung von Tierschutz durch den Arbeitskreis Tierschutz Gütersloh, ferner für den bundesweiten Einsatz zugunsten der Stadttauben und der Pelztiere. Ferner ist die Idee und auch die Realisierung von Tier-schutzseminaren für junge Menschen in ganz Deutschland durch den Preisträger einmalig.“

Warum hatte Gerhard Oesterreich diese Anerkennung durch unsere Stiftung verdient, als einer der uneingeschränkt Besten unter den Guten?

Ich bekam vor ca. 30 Jahren von Dortmund aus – genau seit April 1985 – selbst häufig und viel von den enormen Anstrengungen einer lebendigen, altersgemischten Gruppe von Gütersloher Aktivisten (vom Schüler bis zum Rentner) im politischen Raum von NRW mit:
Z. B. Bürgerinitiativen, Bürgerbegehren, viele kleine und große wichtige Demos, bei denen ich den Verstorbenen als kundigen Redner erlebte. Ich staunte bei Podiumsdiskussionen mit Pelzhändlern und Nerzzüchtern – alles von Gerhard Oesterreich organisiert und professionell durchgeführt -, was der Verstorbene alles leisten konnte. Einiges hat er gemeinsam mit mir veranstaltet. Er war aber der Ideengeber, ja der Motivator für mich und die Mitstreiter!
Vorweg ein Punkt, der heute auch ganz laut gesagt werden muss.

Abgesprungene oder anders denkende Mitstreiter in der aktiven Tierrechtsszene wurden von ihm nicht, ja nie beschimpft. Gerhard ruhte ganz bescheiden in sich und brauchte nicht für sein Selbstbild die auch in unseren Kreisen nicht seltene Abwertung anderer Mitkämpfer.
Ich denke heute an seine Gutachten zum kommunalen Stadttaubenmanagement, seine Auslandseinsätze gegen den Stierkampf vor Ort in Madrid (ja einen vollen Bus organisiert von NRW bis Madrid und zurück; welche physische Leistung ), seine intensive Mitarbeit im „Arbeitskreis politische Tierrechte in Europa“, wo er 20 Jahre lang fast keine Tagung in Düsseldorf oder Bonn ausließ und immer gut vorbereitet zu Themen wie Pferdesport oder z. B. zu der üblichen, aber sehr bedenklichen Schafhaltung, dem Angeln, zur Jagd, zum sogenannten Brieftaubensport zum Zirkus oder zuletzt mehrfach zum sogenannten Zoofachhandel Wichtiges beitrug.
Ich habe Gerhard Oesterreich 2004 als Demonstranten vor dem OLG Hamm in Sachen Tierversuche bei Covance in Münster und bei den jährlichen, von meiner Frau Renate seit 1988 initiierten Mahnwachen gegen die Freizeithobbyjäger vor unseren Dortmunder Westfalenhallen erlebt.

Zur Vertiefung fehlt heute die Zeit.
Allein, um über seine Aktivitäten rund um Kommunalrecht und Tierschutz zu berichten, wäre ein eigener Vortrag zu halten.
Man könnte nun meinen, Gerhard sei aus dem Metier der Anwälte o-der Veterinäre oder sonstiger Akademiker gekommen. Weit gefehlt!
Er hat in Berlin noch vor der Gründung der Bundesrepublik eine Dru-ckerlehre, also in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit dem Schwerpunkt Lithographie absolviert und kam in seinem Beruf sehr gut voran.
Den Druckerberuf erwähne ich heute gern, da ich überzeugt bin, dass Johann Gutenberg – jedenfalls mir – die wohl bedeutendste Person der Menschheitsgeschichte ist. Stationen waren Hof in Bayern und Würzburg und dann der Weg – zusammen mit seiner jungen Frau Ilse – nach Gütersloh, um bei einem der wohl bedeutendsten, jedenfalls immer technisch führenden Druckhäuser der Welt den Weg der jahrzehntelangen technischen Revolution des Druckens zu begleiten, dort hin, wo heute bei Mohn-Druck in einer Stunde der Diskettentext des Autors als ganze Auflage ausgedruckt, gebunden, eingeschweißt und schon mit Versandetiketten versehen palettiert auf den Gabel-staplern landet. Das hat er bis zur Rente mit organisiert. Nur das Lesen des dort Gedruckten dauert immer noch sehr viel länger. Mohn-Druck hat für Gerhard eine ehrenvolle Todesanzeige aufgegeben.
Ich glaube, es ist von großem Vorteil auch für unsere Bewegung für Tierrechte, wenn jemand einen Beruf hat, der ihn zur Exaktheit und zum präzisen Ergebnis zwingt ist, denn dann wird auch in anderen Bereichen sorgfältig und ohne unproduktives Hin und Her (dem sog. Vereinspalaver) gehandelt.
So etwas wie die bekannten Ideologiedebatten in der Tierbefreiungsszene sind dem Drucker Gerhard Oesterreich immer fremd geblieben.

Meine besondere Erwähnung jetzt gilt der Ehefrau Ilse, denn sie hat das Anliegen und das so kraftvolle Wirken des Preisträgers nicht nur voll unterstützt, sondern auch in über 55-jähriger Ehe ihrem Gatten die Kraft und Lebensfreude für sein so mühsames, dornenreiches Wirken gegeben.
Dank also auch Dir, liebe Ilse Oesterreich, geborene Ilse Müller.
Zum Schluss ein mir besonders eingeprägtes Streiflicht:

Der Verstorbene hat seit Jahrzehnten für junge Leute ungezählte Tierschutzseminare organisiert und fachlich durchgeführt.
Ich erinnere mich an ein langes Wochenende in einer äußerst bescheidenen, weil preiswerten Tagungs-Hütte in Oerlinghausen im Teutoburger Wald und zwar in der dunklen, kalten Jahreszeit. Wir arbeiteten aktuelle, komplizierte Tierschutzthemen durch und unser lieber Gerhard wirkte wie ein begnadeter Lehrer, der ohne lahm zu dozieren, viele Informationen konzentriert und motivierend herüber brachte.
Junge Leute, Schüler und – das ist mir hier wichtig – auch Lehrlinge arbeiteten sich ohne unproduktives Gejammer über die Welt im Allge-meinen und im Besonderen in sehr schwierige Tierschutzfragen von der Taubensituation bis zum Heimtierhandel problemorientiert ein. Alle hörten gerade Gerhard aufmerksam zu, wobei er sich eine so freundliche Frische der Persönlichkeit trotz Rentenalter erhalten hatte; eine Frische, die ich bei vielen Vereinsvorsitzenden oder Referenten anderer Verbände und Vereine leider oft vermisste.
Ich glaube, dass es die profunde, uneitle Ethik in seinem Wirken war, die ihm diese Ausstrahlung verlieh.
Nie altermüde, nie ein träger Rentner oder gar ein Traumschiff-Hedonist, dessen letzter Wunsch oft nur noch eine Kreuzfahrt oder ein Strandurlaub im Süden ist. Noch dicke Bretter bis zuletzt bohren, dabei immer sachlich, mit uns Aktivisten konsensbereit, aber ohne faule Kompromisse; ja, das war unser lieber Gerhard. Altern in Würde – hier kann man(n) oder Frau es lernen.
Seine letzte individuelle, – auch das wieder typisch für ihn – sehr konstruktive, weil mich motivierende, ja auch überraschende Mail, bekam ich von Gerhard vor zwei Monaten, am 24. Juni dieses Jahres, in der er mir spontan für meinen Werbe-Einsatz zum ersten Soester Veggie-Day am 5. Juli auf dem dortigen Markt dankte und mir alles Gute für den Tag in Soest wünschte.
Fragt Euch hier und heute mal, wer Euch solche freundlichen, aufmunternden Mails in der spröden, weil ja so oft frustrierenden Tierbefreier- oder Tierrechtsszene ganz spontan und, ohne etwas von Euch zu wollen, schreibt? Nach 30 Jahren selbst in dieser Bewegung weiß ich, wovon ich spreche.

Ich ahnte am 24.06. nicht entfernt, dass Gerhard und Ilse vier Wochen nach dieser Mail sterben würden.

Gerhard bleibt für mich der uneingeschränkt vorbildliche Aktivist einer künftigen, praxisnahen artübergreifenden, eben nicht-speziesistischen, einer nicht- anthropozentrischen Ethik, die auch auf die Interessen von Tieren an einem schmerz- und leidensfreien Leben Rücksicht nimmt – einer pathozentrischen Ethik!

Wir verneigen uns vor dem Ehepaar Ilse und Gerhard Österreich und wir – alle Rönn-Stiftungsvorständler, das Kuratorium und alle PAKT- Mitarbeiter – versprechen Euch heute, in Eurem Sinne weiter zu arbeiten.

Monika Thau 1. Oktober 1955 – 9. Dezember 2012

Unsere jung gebliebene Vorstandsvorsitzende und Schatzmeisterin Monika Thau trugen wir im Dezember 2012 in Düsseldorf zu Grabe.

Monika Thau war die bewahrende und bewegende Kraft unserer noch jungen, kleinen Stiftung.

Auch als Mensch wird Monika Thau uns in ihrer lebendigen, offenen, immer konstruktiven, bescheidenen, uns immer wieder motivierenden Art fehlen. Ebenso mit ihrem visionären Realismus für eine Erde ohne von Menschen verursachtes Tierleid.

September 2010 starb unsere aktive Kuratoriumsvorsitzende und Mitgründerin Dr. Ingeborg Gräßer, Witten und dann schon im Mai 2011 unsere liebe Ehrenvorsitzende und Mitstifterin Ilse Rönn, Düsseldorf. Dass 2012 unsere 1. Vorsitzende uns für immer durch eine tückische, immer wiederkehrende Krankheit bezwungen verlassen musste, ist für uns Rönn-Aktive und die vielen lieben Freunde unserer Stiftung unfassbar.
Wir standen und stehen noch fassungslos an Monikas Grab!